Mittwoch, 26. Januar 2011

Sopa de Cebolla

Mein Vorsatz vom vergangenen November für 2011 war ein tägliches Foto. 
Das ist zwar nicht so größenwahnsinnig wie täglich 1 Stunde Sport, erfordert aber ähnlich viel Selbstdisziplin. Bei mir war es damit bis auf ausgewählte Lebensbereiche noch nie weit her und so fotografiere ich einfach oft mein Abendessen - beim Anblick brühwarmen Essens kommen nämlich auch die brühwarmen Einfälle. 

Natürlich ist es mir zu blöd extra die Kamera rauszuholen. Das Handy muss also her und in Kombination mit schlechtem Abendlicht gibt das immer recht unappetitliche Bilder. 

Aber lasst euch nicht abschrecken. 

Es gibt DAS Rezept für kurze Winterabende nach langen Arbeitstagen. Diese Tage, zu deren Abschluss man sich mit einer Suppe und einem heißen Bad was Gutes tun, aber jedwede Fingerkrümmung vermeiden will. 


Da hab ich mal was vorbereitet - eine Zwiebelsuppe für zwei Mäuler: 

* 300 gr rote Zwiebeln in feinen Streifen
* einen Liter Brühe 
* ein paar Scheiben Brot 
* ein paar Kräuter 
* ein bisschen Käse

Die Zwiebeln in Öl 5 Minuten andünsten und leicht bräunen, Betonung auf leicht. Dann mit Brühe aufgießen, mit Salz und Pfeffer abschmecken und 20 Minuten köcheln lassen. 

Die Brotscheiben mit Öl beträufeln, Kräuter drauf, im Ofen anrösten und zusammen mit der Suppe servieren. 


Wer Franzose spielen will kann auch noch Käse in die Suppe reiben, das sieht ungut aus, schmeckt aber vorzüglich. Anders als das Foto vermuten lässt ist die Suppe ein Genuss und macht auch optisch was her, echt jetzt. 

Mach sie also gleich heute abend. Außer du bist ein frisch verliebter junger Mann und willst weiterhin glauben, dass deine neue Freundin ausschließlich klare Bergluft pupst. 

Rezeptquelle: Schrot&Korn



Samstag, 22. Januar 2011

Découvertes

Gestern habe ich mich als Frankfurterin weitergebildet und gelernt


  • wo in der Stadt ich in Zukunft meinen Kaffee trinken werde, wenn ich Sehnsucht nach meinem Café Hörnchen in Heidelberg habe


Nämlich an diesem heimeligen Ort...


...mit der schönen Oma-Theke, hinter der einem Kaffee gemahlen und Brot, Kuchen und Überraschungseier eingetütet werden...



...wo man ein Händchen für postmoderne Schaufensterdeko hat,...


...kostenlose Zeitungen und den zweitbesten Sitzplatz der Welt. 
Mit direktem Blick auf den Eingang und die Theke, direkt an der wohltemperierten Heizung. 


  • dass die Band, die jeden Freitagabend in der Bar hinter meinem Haus spielt, die Stimmung nach einem Scheißtag ins Gegenteil umkehren kann. Eine reizende Combo, in der ein blinder Pianist, ein kleiner Klarinettist mit Rüschenhemd und ein Bassist in schwarzer Lederhose zusammen jammen, die muss man halt irgendwie mögen. Auch das verschrobene Publikum ist erlebenswert. Ein Mann mit Halbglatze und grauem Pferdeschwänzchen entschuldigt sich in Überlänge dafür, dass er an mein Stuhlbein gekommen ist. Und eine schwarzhaarige Kräuterhexe um die 60 verlautet im Vorbeigehen "Was machst du denn hier, in deinem Alter bin ja sogar ich noch in die Disco gegangen!", streicht mir milde lächelnd übers Haar und sagt mir, dass ich schön bin...

    • was zeigt, dass die dritte Neuentdeckung des gestrigen Tages ganze Arbeit geleistet hat. Ein Friseur, dem ich von nun an für immer treu sein will. Ein lockiger Chef, der von seinem Job und meinen Haaren ne fetzen Ahnung hat. Eine ausschließlich omaliche Kundschaft, die mich mit ihrem unflätigen Geschnatter eine Stunde lang unterhält. Und ein wohliger Schauer, als ich den Preis für meinen Glückstreffer höre. Bei zwei Dutzend Talern kann man nicht umhin, wieder an das Gute im Menschen zu glauben. 

    Eigentlich war der Scheißtag gestern doch ganz gut. Scheißtag mit Einlage. 


    Donnerstag, 20. Januar 2011

    Die Schaltzentrale

    Manchmal entfällt mir, dass eine Anfrage zum Lektorieren von allgemeinen Geschäftsbedingungen ein guter Moment zum Neinsagen wäre. Die Spannung, die sich schon irgendwann einstellt wenn ich mich lange genug mit Autos oder Leiterplatten beschäftige, die macht bei AGB von Anfang bis Ende blau.

    Aus technischen Erfordernissen Um der Folter einen Mikrofitzel Spaß zu verleihen habe ich mir diesmal eine Schaltzentrale im Inspektor-Gadget-Stil eingerichtet. Damit kann ich wie Dr. Kralle die Welt von meinem Schreibtisch aus kontrollieren.


    Na fein. Ich habe also den linken Kasten nur genutzt um Vokabeln zu recherchieren und, viel wichtiger, Kochrezepte fürs Abendessen.

    Aber immerhin der scary Kater neben dem Computer ist original! 



    ...Bis die AGB auch bei ihm ihre Wirkung entfalten...



    In diesem Sinne, schlaft schön. 

    Seemannsgarn...

    ...wird zwar im Frankfurter Bankenviertel noch nicht gesponnen, aber zumindest für die niedrigen Hausboote von Hobby-Flusswanderern wäre am Sonntag endlich mal mehr Platz gewesen.

    Die kompletten Uferpromenaden am Main standen unter Wasser. Da wo im Sommer der Café-Zirkuswagen auf der Wiese stand, vor dem die Leute bei Kerzenschein und einem lauen Lüftchen unter dem großen Riesenbaum den Sommer und ein Bier genossen, hach.

    - Ob das je wieder trocknet? -



    Commerbank Tower at the Sea Shore  




    Wieviel Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer diesem Café wohl jedes Jahr abknöpft? 



    Oh du wunderschöner fettleibiger Wolken-Flussdelfin! 




    Samstag, 15. Januar 2011

    Augenschmeichler


    Nur weil ich Zeuge wurde, mit welch unglaublichem Gefühl und Sachverstand die werten Herren von der Garmischer Gmoa* den öffentlich aufgestellten Christbaum wieder abgebaut haben, und nur deswegen!, weiß ich mit absoluter Sicherheit, dass der Winterdienst der Marktgemeinde auch im Fall obenstehender Schneekunst keine Mainzelmännchen zu nächtlicher Stunde ausgesandt hat, um den betagteren Preißn ein paar visuelle Zuckerl zu bescheren wenn sie die morgendliche Altersbettflucht in aller Herrgottsfrühe zu einem Winterspaziergang treibt.

    Aber jetzt mal im Ernst, da versteht man auch, warum die Werdenfelser Bevölkerung ein vergleichsweise hohes Maß an Frömmigkeit an den Tag legt - wenn man sowas sieht, das ist ja so unerträglich schön anzuschauen, da geht einem doch so dermaßen das Herz auf, und der Werdenfelser hat ja eine ungleich höhere Wahrscheinlichkeit, regelmäßig solche Herzöffner zu sehen, also da werd ja sogar ich demütig.

    * Das bairische Idiom bezeichnet mit Gmoa nicht nur die Gemeinde an und für sich, sondern auch jene munizipalen Universaldienstleister, die dafür sorgen, dass der Kurpark ein Urlauberkleinod bleibt und nicht unter die Herrschaft der Eichkatzerl fällt, dass der Skifahrer nicht zu viel und nicht zu wenig Schnee unterm Brett hat und, ich bin mir sicher, dass dem Metzger seine Kundschaft für Leberkässemmeln nie ausgeht.


    Donnerstag, 13. Januar 2011

    Ratsch und Tratsch #1


    Liebe Leserinnen und Leser,

    da auch der Linguist hin und wieder eine kleine nerdige Erbauung braucht, sei mir an dieser Stelle gestattet, eine kleine Serie zu sprachlichen Nettig- und Sonderlichkeiten einzurichten.

    Ganz besonders freue ich mich darüber, dass die Sprache uns den Segen der Redensarten beschert hat.

    (Natürlich gilt dies nur für die Muttersprache und nur für jene unter uns, die ihre Brötchen nicht als Sprachmittler verdienen [es könnte unangenehm werden, wenn man in der Kabine eine lange Leitung hat und sich keinen Reim darauf machen kann, warum der Brite Kohle nach Newcastle schleppt. Dabei will er sich nur, schlau wie er ist, den weiten Weg mit dem Eulengeviechs nach Athen sparen])


    (Bild hierher)

    Eine meiner Lieblingsredensarten, die mich schon seit meiner Kindheit amüsiert, war die gelegentlich von meiner Mutter geäußerte Befehlsbitte, ob es mir möglich wäre, meinen Brotladen zu halten. Ich habe mich dann in späteren Jahren gefragt, was wohl der schlecht gelaunte Amerikaner in so einem Fall zu seinem dauerfaselnden Gegenüber sagt. Die Wörterbücher gaben natürlich nichts her.


    (Bild hierher)

    Stellt euch also meine Freude vor, als ich während meiner Australienreise beim Fernsehschlafen im Hostel den cholerisch veranlagten Filmprotagonisten auf der Zuschauertribüne eines Sportfelds dabei beobachte, wie er seinem Gegenüber im Streit seine Zuckerwatte in den Mund stopft und dabei "Shut your pie hole!" plärrt.

    (Bild hierher)




    Montag, 3. Januar 2011

    Charihäh?

    Der gemeine Bayer wird wahrscheinlich mit dem Titel meines Blogs sofort was anfangen können, trägt er doch schließlich jeden Sonntag ein Charivari vorm Hosentürl der Krachledernen.

    Aber nicht nur Hosentürl schmückt das Charivari, auch eine im 19. Jahrhundert verlegte Satirezeitschrift ward mit diesem klangmalerischen Titel verziert.

    Und als ich dann las, wie das Charivari zu uns gelangt ist, wusste ich, dass es mir in meinem virtuellen Zuhause sicher immer Heimatgefühle bescheren würde:

    Herkunft:

    über das provenzalisch-französische charivari aus dem mittellateinischen: caribaria = Durcheinander

    Übrigens dürfte sich neben dem bayrischen Wamsträger auch der Liebhaber der etwas rockigeren Variante der Blechmusik mit dem Charivari identifizieren, denn so geht der Artikel weiter:

    vom griechisch karābaría = Kopfschwere, Kopfschmerz, Verrücktheit, Katzenmusik